Warum ist CSR keine Einbahnstraße?

Meckern

CSR = Corporate Social Responsibility, d.h. unternehmerische Sozialverantwortung.

In ihrem Grünbuch definiert die Europäische Kommission CSR als 'Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmertätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.' Meffert ergänzt dies um die ökonomischen Belange und definiert CSR als ein 'integriertes Unternehmenskonzept, das alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen hinausgehen, beinhaltet.'

Wie wir wissen, besteht noch erheblicher Handlungsbedarf. Zudem erweisen sich Unternehmen keinen Gefallen, wenn sie die CSR-Maßnahmen der Marketing- und/oder PR-Abteilung überlassen, denn dort werden sie, wie die anderen Marketing- und PR-Aktivitäten auch, noch viel zu oft als Kostenfaktor und nicht als Investition gesehen. Die Folgen sind bekannt.

Heute geht es mir allerdings um etwas Anderes: Steht CSR nicht auch für Consumer Social Responsibility? Hat nicht jeder Einzelne eine freiwillige Sozialverantwortung, die - im Rahmen der individuellen Möglichkeiten - mit den Steuerabgaben nicht abgegolten ist.

Welche sozialen und ökologischen Beiträge leisten wir freiwillig?

Viele von uns ziehen es vor, zu meckern. Wir meckern immer über die Anderen, die Politiker, die Banker und selbstverständlich auch über die Unternehmen, deren Produkte wir im Zweifelsfall aber trotzdem kaufen.

Sind wir eine Gesellschaft von Meckerern? Auf jeden Fall sind wir offensichtlich eine Gesellschaft von Schnäppchenjägern. Billig ist wertvoll und gratis ist noch besser. Wir denken nicht darüber nach, wer am Ende dafür bezahlt, das alles billiger wird. Im Fernsehsessel vor sich hin meckern und gleichzeitig den nächsten Urlaub auf den Malediven für unter 1.000,- Euro buchen, das passt nicht zusammen. Zur scheinbaren Beruhigung des eigenen Gewissens bei einer Benefizveranstaltung etwas spenden - selbstverständlich steuerlich absetzbar - ist nicht ausreichend.

Viele sagen '(m)eine Stimme zählt nicht'. Wer sich und seine Stimme für wertlos hält, darf nicht erwarten, das er von anderen Wertschätzung erfährt. Wir leben in einer Gesellschaft von organisierten Interessen. Warum organisieren wir unsere Interessen nicht? Dank dem Internet haben wir die Möglichkeit, aktiv zu werden und das eigene Anliegen zu kommunizieren und dafür Verbündete zu suchen. Schweigende Mehrheiten sind keine Mehrheiten, denn wer schweigt, wird ignoriert. Nur meckern und nicht aktiv werden, ist scheinheilig.

Und darum steht CSR auch für Consumer Social Responsibility.